Einleitung

Im Zuge ihres ehrenamtlichen Engagements sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr gegebenenfalls traumatischen Ereignissen ausgesetzt. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und Berufsfeuerwehrleute schilderten in Befragungen mehrere Faktoren, die sie als hilfreich erlebt haben, um einer Belastung entgegenzuwirken. Dabei wurde v.a. soziale Unterstützung durch Freunde, Familienangehörige und andere Einsatzkräfte (Regehr, 2009) sowie durch Vorgesetzte genannt (Varvel et al., 2007). Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer psychischen Belastung wurden u.a. Zeitdruck, das Gefühl, während eines Einsatzes keine Kontrolle über das Geschehen zu haben (Lasogga & Karutz, 2011) oder Schwierigkeiten aufgrund des  Verkehrsaufkommens den Einsatzort zu erreichen (Hering, Schulze, Sonnenberg & Beerlage, 2005), aufgeführt. 

Beschreibung der Studie

Mitarbeiter*Innen der Psychotherapieambulanz der Technischen Universität Braunschweig haben in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen Interview-gestützte Befragungen und Umfragen unter den Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in Niedersachsen durchgeführt. Das Ziel der Befragung war, einen Fragebogen, den Sources of Occupational Stress in Firefighters and Paramedics (SOOS, Beaton & Murphy, 1993) für die Freiwillige Feuerwehr (FF) anzupassen (SOOS-11). Dieser erfasst einsatzbezogenen Stress von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr. Ferner sollten mögliche Schutzfaktoren ermittelt werden, die einer Belastung entgegenwirken könnten, und deren Ausprägung festgestellt werden. 

Die Umfrage umfasste drei Messzeitpunkte. Zunächst wurden an 23 FF in Niedersachsen insgesamt 600 Fragebögen versendet (November 2016 – Februar 2017). 21 Wehren nahmen an der Befragung teil und es wurden insgesamt 475 Bögen zurückgesandt. Beim zweiten Messzeitpunkt (Mai – November 2017) nahmen 117 Einsatzkräfte an einer ca. halbstündigen Befragung teil. Jeweils sechs Monate nach dieser Erhebung wurde diesen Personen ein weiterer Fragebogen zugesandt und 58 schickten diesen ausgefüllt an die Universität zurück (November 2017 – Mai 2018). 

Ergebnisse

Die folgende Darstellung erfolgt auszugsweise und beschränkt sich auf den ersten Messzeitpunkt, um die Übersichtlichkeit zu wahren (für weitere Informationen siehe Kleine & Kröger, under review).

Durchschnittlich waren die Personen 35.14 Jahre alt (SD = 11.30) und der Großteil befand sich in einer festen Partnerschaft (68.3 %). In Tabelle 1 sind weitere Informationen zu finden.

In Tabelle 2 werden belastende Ereignisse bzw. Bedingungen aufgeführt und Angaben dazu, wie oft den Befragten diese Begebenheiten in den letzten zwölf Monaten widerfahren sind. Es handelt sich um einen Auszug aus einer Liste von insgesamt 19 Ereignissen, die in Anlehnung an eine Liste möglicher Stressfaktoren von Waterstraat (2009) erstellt wurde. Das Ereignis, das am häufigsten erlebt wurde, war „aufgrund des Verkehrsaufkommens auf Straßen, Probleme, zum Einsatzort zu gelangen“. Dies wurde von 26.2 % der Kamerad*Innen in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung fünfmal und mehr erlebt. Zudem wurde von 16.7 % der Personen angegeben, dass sie fünfmal und mehr „Schwerverletzte, Verstümmelte oder Tote gesehen“ haben.

 

 

Die Belastung durch einsatzbezogenen Stress, der mit dem SOOS-11 erfasst wurde, konnte als gering eingestuft werden. Nur 76 der 463 Personen lagen oberhalb des kritischen Wertes von 24.0, der auf eine Belastung hindeutet (siehe Abbildung 1). Den Maximalwert von 55 erreichte keine der befragten Personen (Min. = 11).

 

 

Abbildung 1. Ergebnisse im SOOS-11

Das Wohlbefinden der Kamerad*Innen wurde mithilfe eines Fragebogens (WHO-5; Psychiatric Research Unit, 1998) erhoben und kann insgesamt als gut eingestuft werden. Von den 472 Personen lagen 91 unter dem kritischen Wert von 13 und im unterdurchschnittlichen Bereich (Min. = 0, Max. = 25). Auch die wahrgenommene soziale Unterstützung durch andere Kamerad*Innen (F-SozU K-6; Kliem et al., 2015) wurde durchschnittlich als gut eingestuft. 371 der insgesamt 471 Personen lagen im durchschnittlichen Bereich (Min. = 1, Max. = 5). In Abbildung 2 werden die Ergebnisse der Fragebögen grafisch veranschaulicht.

 

 

Abbildung 2. Ergebnisse im WHO-5 und F-SozU K-6

Schlussfolgerungen

Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Niedersachsen berichteten zwar von belastenden Ereignissen während der Einsätze. Die resultierende Belastung wurde allerdings als weitgehend gering eingestuft. Das subjektiv erlebte Wohlbefinden war bei der überwiegenden Mehrheit hoch. Auch die erlebte soziale Unterstützung durch andere Einsatzkräfte fiel durchschnittlich gut bis hoch aus. Der SOOS-11 ist ein Instrument, das dazu dienen kann, psychische Belastung bei Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zu erheben. Fällt der Gesamtwert hoch aus (> 24), sollte die Möglichkeit und das Angebot einer Beratung bestehen. Allerdings ist der SOOS-11 noch an anderen Einsatzkräften, wie z.B. der Berufsfeuerwehr, zu erproben.

 

Literatur

Beaton, R.D. & Murphy, S.A. (1993). Sources of Occupational Stress Among Firefighter / EMTs and Firefighter / Paramedics and Correlations with Job-related Outcomes. Prehospital and Disaster Medicine, 8 (2), 140-150.

Hering, T., Schulze, D., Sonnenberg, D. & Beerlage, I. (2005). Was belastet in der Feuerwehr? Primärprävention gesundheitlicher Beeinträchtigungen aus einer arbeitsorganisatori-schen Perspektive. Notfall + Rettungsmedizin, 8, 412-421.

Kleine, B. & Kröger, C. (under review). Validierung der deutschsprachigen Version des Fra-gebogens „Sources of Occupational Stress in Firefighters & Paramedics (SOOS-11)”. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie. 

Kliem, S., Mößle, T., Rehbein, F., Hellmann, D.F., Zenger, M. & Brähler, E. (2015). A brief form of the Perceived Social Support Questionnaire (F-SozU) was developed, validat-ed, and standardized. Journal of Clinical Epidemiology, 68, 551-562.

Lasogga, F. & Karutz, H. (2011). Belastungen, Moderatorvariablen und Folgen. In: F. Lasog-ga & B. Gasch (Hrsg.), Notfallpsychologie (S. 129-161). Heidelberg: Springer. 

Psychiatric Research Unit / WHO Collaborating Centre in Mental Health (1998). WHO (Fünf) – Fragebogen zum Wohlbefinden.

Regehr, C. (2009). Social support as a mediator of psychological distress in firefighters. The Irish Journal of Psychology, 30 (1-2), 87-98.

Varvel, S.J., He, Y., Shannon, J.K., Tager, D., Bledman, R.A., Chaichanasakul, A. et al. (2007). Multidimensional, Threshold Effects of Social Support in Firefighters: Is More Support Invariably Better?. Journal of Counseling Psychology, 54 (4), 458-465.  

Waterstraat, F. (2009). Psychische Belastungen im Feuerwehreinsatz. Ein Handbuch der Feu-erwehr-Unfallkasse Niedersachsen. Hannover: Schöneworth

 

KONTAKT

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Bertastr. 5
30159 Hannover

Tel.: 0511 9895-557
Mail: info@fuk.de

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