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Text: Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen

Risiko Raus

Unter diesem Namen läuft die derzeitige Präventionskampagne der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der wir als gesetzlicher Unfallversicherungsträger angehören. Die neue Kampagne will auf die Gefahren beim Fahren und Transportieren aufmerksam machen und so das Unfallrisiko sowohl im Straßenverkehr als auch beim innerbetrieblichen Transport und Verkehr verringern.

Die Feuerwehren kennen viele dieser Unfälle zur Genüge: Immer wieder müssen sie ausrücken, um Unfallopfer, die auf dem Weg von und zur Arbeit oder beruflich unterwegs sind, zu retten. Die Verhütung solcher Unfälle bedeutet für die Feuerwehren sicherlich weniger Arbeit, aber warum wird in einer Zeitschrift für die Feuerwehren über diese Kampagne berichtet?

Die Antwort liegt auf der Hand: Immer wieder verunglücken Feuerwehrangehörige selbst auf dem Weg zum Übungsdienst, zum Einsatz oder gar ins Zeltlager. Ein besonderes Augenmerk wird innerhalb der Kampagne dem Thema „Ladungssicherung“ gewidmet, dem auch wir uns zuwenden wollen. Ladungssicherung umfasst dabei nicht nur die Ladung im Geräteraum, sondern auch die „menschliche Ladung“, denn gerade bei der Feuerwehr gilt ja der Grundsatz: Mannschaft und Gerät zusammen bilden erst die taktische Einheit.

Manch eine Feuerwehr kennt das bereits: Ein 25 Jahre altes Einsatzfahrzeug wird in den verdienten Ruhestand entlassen, das neue Fahrzeug feierlich übergeben und plötzlich stellt man fest, dass das neue Fahrzeug über Sicherheitsgurte verfügt. „Müssen wir uns jetzt etwa anschnallen? Das kann doch nicht sein – wir sind doch die Feuerwehr!“ Solche oder ähnliche Äußerungen sind dann häufig zu hören. Natürlich müssen sich auch die Feuerwehrangehörigen im Einsatzfahrzeug anschnallen. Die Gesetze und Verordnungen gelten doch für die Feuerwehren genauso – insbesondere die physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Außerdem kann es doch nicht sein, dass ein Feuerwehrangehöriger, der anderen helfen will, schlechter geschützt ist als Ottonormalverbraucher. Verunglückt ein Feuerwehrfahrzeug, ist regelmäßig zu beobachten, dass besonders viele Verletzte mit zum Teil besonders schweren Verletzungen dabei zu beklagen sind. Dies resultiert einerseits aus der, im Vergleich zur großen Mehrheit der Fahrzeuge im Straßenverkehr, stärkeren Besetzung der Feuerwehrfahrzeuge. Andererseits fliegen die Feuerwehrangehörigen in den großen Mannschaftsräumen bei einem Unfall unkontrolliert durch eben diese oder werden sogar aus dem Fahrzeug geschleudert, wenn sie nicht angeschnallt sind, was bei vielen älteren Einsatzfahrzeugen auch gar nicht möglich ist. Zu beachten ist dabei auch, dass Feuerwehrangehörige, die bereits während der Fahrt ein Atemschutzgerät anlegen, dieses erst entriegeln dürfen, wenn das Fahrzeug an der Einsatzstelle angekommen ist und steht. Im Falle einer Kollision wären diese Kameraden sonst besonders gefährdet, da sie nicht gesichert sind und durch das zusätzliche Gewicht noch höhere Trägheitskräfte wirken. Was passieren kann, wenn ein umherfliegender Atemschutzgeräteträger so unglücklich gegen ein Hindernis prallt, dass das Flaschenventil abreißt, wollen wir uns lieber gar nicht erst vorstellen.

Besonders viel Aufmerksamkeit sollte man beim Thema Anschnallen den Angehörigen der Jugend- und Kinderfeuerwehren schenken. Wie allgemein bekannt ist, müssen Kinder, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet haben und kleiner als 1,50 m sind, durch spezielle Rückhaltsysteme, die als Anpassung der Sicherheitsgurte, die für Erwachsene konstruiert wurden, fungieren, gesichert werden. Die Betreuer müssen also nicht nur darauf achten, dass die Kids angeschnallt sind, sondern auch darauf, dass gegebenenfalls spezielle Kinderrückhaltesysteme benutzt werden. Aber die Kinder und Jugendlichen in den Kinder- und Jugendfeuerwehren sind vor allem junge Menschen, die lernen, nach Vorbildern suchen, den sie nacheifern können, und die ihren Weg im Leben finden müssen. Dementsprechend müssen sich die Betreuer der Kinder- und Jugendfeuerwehren ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und entsprechend handeln. Man kann von den Kindern und Jugendlichen nicht verlangen, dass sie sich anschnallen, wenn man nicht selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Die wichtigsten Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserem Info-Blatt „Fahrzeuge - Personenbeförderung".

Der zweite Aspekt der Kampagne bezieht sich auf die Ladung an sich. Viele werden jetzt sicher denken, dass dieser Bereich die Feuerwehren nicht betrifft, da die Geräte und Ausrüstungen in den Einsatzfahrzeugen ihren festen Platz haben und dort auch gut gesichert sind. Aber auch die Betrachtung der Ladung hat bei den Feuerwehren ihre Berechtigung.

Zum einen gilt es, bei Eigenumbauten der Fahrzeuge in den Fahrwehren, die bei der langen Nutzungsdauer manchmal unumgänglich sind, die sichere Verlastung der Geräte und Ausrüstung zu gewährleisten. Neben der sicheren Befestigung – Anforderungen stellt hier z. B. DIN EN 1846 Teil 2 – gilt es auch die fahrdynamischen Eigenschaften des Fahrzeuges zu berücksichtigen, denn die Geräte und Ausrüstung der Feuerwehr wiegen in der Regel einiges und werden zudem auch noch fest verlastet, so dass sich die Gewichtsverteilung dramatisch verändern kann, was unter anderem eine geänderte Bremskraftverteilung erforderlich macht.

Ein anderer Aspekt in diesem Zusammenhang betrifft die Mannschaftsräume. Die persönliche Schutzausrüstung wird natürlich vor dem Einsteigen komplett angelegt und nicht einfach in den Mannschaftsraum geworfen, um später angelegt zu werden. Aber wie sieht es aus, wenn die Atemschutzgeräte im Mannschaftsraum angelegt werden müssen? Dann heißt es: „Helm ab!“ – nicht zum Gebet, sondern um den Atemanschluss anzulegen. Doch wohin damit? Kommt es nun zu einem scharfen Bremsmanöver oder gar zu einer Kollision, wird der Helm zum Geschoss und gefährdet alle Mitfahrer. Gleiches gilt für die Tragedosen der Atemanschlüsse, die ja auch erst ihren Halterungen entnommen werden müssen, damit man an den Atemanschluss gelangt. Was ist mit dem Hydrantenverzeichnis, in das schon ein kurzer Blick geworfen wurde, oder der Atemschutzüberwachungstafel, auf der der sich bereits ausrüstende Trupp erfasst wird? Vielleicht wurde ja ein Feuerwehr-Haltegurt doch noch nicht angelegt, weil man sonst auf dem Feuerwehrbeil sitzt. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortführen. Alles, was in den Mannschaftsraum mitgenommen wird oder dort aus den vorgesehenen Halterungen genommen wird, kann im Fall einer Bremsung durch den Mannschaftsraum fliegen und die dortigen Mitfahrer treffen.

Der dritte Aspekt widmet sich wieder den Geräten und Ausrüstungen, diesmal aber nicht den bereits verlasteten und gut gesicherten. Wegen der immer umfangreicher werdenden Ausrüstung beschaffen viele Feuerwehren Gerätewagen Logistik oder ähnliche Fahrzeuge, die erst im Einsatzfall mit der erforderlichen Ausrüstung bestückt werden. Wie sieht es denn hier mit der Ladungssicherung aus? Sind ausreichend dimensionierte Spanngurte in ausreichender Anzahl vorhanden? Gibt es alternative Möglichkeiten zur Ladungssicherung, wie z. B. Sperrstangen, Netze oder Antirutschmatten? Werden diese auch in der Hektik des Einsatzes konsequent angewendet? Sind geeignete Festpunkte oder Verzurrschienen vorhanden? Ein besonders wichtiger Bereich ist hier der Transport von Atemluftflaschen. Immer wieder werden Atemluftflaschen mit Mannschaftstransportwagen oder Ähnlichem zum Tausch transportiert. Wegen der Häufigkeit sei in diesem Zusammenhang noch einmal auf die korrekte Sicherung der Atemluftflaschen hingewiesen:

  • Die Flaschenventile müssen geschützt sein.
  • Die Flaschen dürfen ihre Lage zueinander und zum Fahrzeug während des Transportes nicht verändern.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass die allgemeine Präventionskampagne durchaus auch auf die Feuerwehren übertragen werden kann. Nutzen wir die Erkenntnisse der Präventionskampagne, um die Sicherheit unserer Feuerwehren bei ihrer Tätigkeit weiter zu erhöhen. Weitere Informationen zur Kampagne,
Filme, E-Cards und vieles mehr findet man im Internet unter www.risiko-raus.de und demnächst unter www.lade-gut.de.

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Quelle: Risko Raus
URL:
[Stand: 05.02.2012, 01:42 Uhr]