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Text: Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen

Fit für den Einsatz

Feuerwehrmann bei Liegestützen auf einer Bank in der Natur

In Anlehnung an die guten Erfahrungen aus dem Dienstsportprojekt der Berufsfeuerwehr Hannover initiierte die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen ein Sportprojekt für die freiwilligen Feuerwehren. Der Grundgedanke hinter der Einführung des Sports bei den Feuerwehren ist, die Einsatzkräfte körperlich besser auf die hohen Beanspruchungen während eines Einsatzes
vorzubereiten.

2007 begann das Projekt mit einer Großveranstaltung in der Turnhalle der Rettungswache 2. An der Veranstaltung nahmen neben den Sportinteressierten auch Stadtbrandmeister Klaus Löffler und der Feuerwehrarzt und Arbeitsmediziner Dr. Martin Krentzlin teil. Etwa 100 Teilnehmer wurden bei der Auftaktveran-staltung zunächst darüber informiert, welche Beweggründe hinter der Aktion stehen. Anschließend wurden sie von der Trainerin durch die Halle „gescheucht“, um sie darauf vorzubereiten, was die Teilnehmer in Sport-einheiten mit sportpädagogischer Betreuung erwartet.

Zwei Feuerwehrleute beim joggen.

Das Sportprojekt startete dann an zwei unterschiedlichen Standorten, in Hannover-Ricklingen mit einer Sportstunde und in Hannover-Stöcken mit zwei Stunden. Der Grund für die verschiedenen Standorte war, dass sich die Hallen näher an den jeweiligen Ortsfeuerwehren befanden und sich so die Feuerwehren aufteilen konnten. 2008 wurden die Standorte in Stöcken zusammengefasst und es fanden zwei Sportstunden hintereinander statt. Seit Beginn des Projekts führt die Fitnessökonomin Nathalie Gnahs die Unterrichtsstunden durch. Mittlerweile hat sich ein Kern von 5–10 Teilnehmern gebildet, der sich je nach Fortbildungsterminen samstags zum Sporttreiben zusammen findet. Neben einer Stunde Langhanteltraining (Kraftausdauer-
Training) werden je nach Interesse auch Step-Aerobic, Lauftraining oder Training an den Kardiogeräten durchgeführt. Durch das variable Training wird der Körper in vielen Bereichen trainiert und so für die vielseitige Beanspruchung vorbereitet, der ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau im Einsatz ausgesetzt ist (siehe Kasten: Aus Sicht des Mediziners). Die Trainerin ist mit viel Engagement dabei, geht auf die einzelnen Teilnehmer gezielt ein und ist auch in der Terminierung der Unterrichtsstunden flexibel.

Nach Ablauf des Projektjahres wurde kurzfristig überlegt, das Projekt zu Dr. Mirja Maassen, Leiterin des Sportprojekts der Feuerwehr Hannover beenden. Die Teilnehmer waren jedoch bereit, die Stunden auf eigene Kosten weiterlaufen zu lassen, weil der Sport mittlerweile ein fester Bestandteil in ihrem Alltag geworden war und bei einigen von ihnen auch ein Lebenswandel stattgefunden hatte (siehe Kasten: Vom Sportmuffel zum Marathonläufer). Bei dem gemeinsamen Sporttreiben steht neben der Gemeinschaft der Spaß an der Sache im Vordergrund. Das „Sportprojekt“ ist mittlerweile zum festen Bestandteil in den freiwilligen Feuerwehren geworden.

 

Aus der Sicht eines Teilnehmers: vom Sportmuffel zum Marathonläufer

Als wir im Februar 2007 mit dem Sportprojekt „Fit für den Einsatz“ bei der Freiwilligen Feuerwehr starteten, brachte Jens Koß 105 kg auf die Waage und musste mit seinen damals 28 Jahren bereits Tabletten gegen seinen zu hohen Blutdruck nehmen.

Da er durch den hohen Blutdruck auch untauglich für Einsätze bei der Freiwilligen Feuerwehr war, beschloss Jens, etwas zu ändern. Da kam das Sportprogramm am Samstagvormittag wie gerufen. Auch wenn der Anfang schwer war und Jens immer mit einem ordentlichen Muskelkater „belohnt“ wurde, bewies er dennoch Durchhaltevermögen.

Bald merkte er, dass er durch das regelmäßige Training nicht mehr so schnell aus der Puste war, und auch die Einnahme der blutdrucksenkenden Mittel gehörte der Vergangenheit an, was dann auch dazu führte, dass Jens immerhin wieder für ein Jahr tauglich geschrieben wurde.

Von nun an jagte ein Erfolgserlebnis das nächste … Jens hielt seinen ersten Lauf durch, ohne Seitenstiche zu bekommen, und bestand den Einstellungstest bei den Tauchern der Feuerwehr. Motiviert durch seine Fortschritte und den neu entdeckten Spaß an der Bewegung, meldete sich Jens im Dezember 2008 dann auch noch im Fitnessstudio an, wo er das Spinning für sich entdeckte. Die Sportstunden am Samstag standen dennoch fest mit auf dem Plan.Jens für den Halbmarathon (21,1 km) im Mai 2009 in Hannover an und beendete diesen problemlos in einer Zeit von 2 Stunden und 6 Minuten.anderem auch dazu, dass Jens die 80-kg-Gewichtsmarke knackte. Weitere Volks- und Nachtläufe folgten, und 2010 stand außerdem noch der Spinning-Marathon in Bremen auf dem Programm, bei dem Jens insgesamt fünf Stunden auf dem Bike saß. Vom Ehrgeiz gepackt, meldete sich Das Lauftraining führte unter Zurzeit bringt Jens 78 kg auf die Waage und befindet sich in den Vorbereitungen für seinen ersten Marathon (42,2 km) im Oktober 2011. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt!

 

Aus Sicht des Mediziners: Unfallprophylaxe durch Fitnesstraining

Feuerwehreinsatzdienst unter schwerem Atemschutz setzt körperliche und geistige Fitness voraus. Schwere Atemschutzgeräte für den Feuerwehreinsatzdienst sind überwiegend Pressluftatemgeräte mit mehr als fünf Kilogramm Gerätegewicht. Die Träger dieser Geräte müssen nach Berufgenossenschaftlichem Grundsatz 26 Gruppe 3 (G-26/3) arbeitsmedizinisch auf gesundheitliche Eignung untersucht werden. In Deutschland gelten dabei dieselben Kriterien für Berufsfeuerwehren, Freiwillige Feuerwehren und Werkfeuerwehren. Besonders bedeutsam im Hinblick auf den Brandeinsatz ist die Herz-Kreislauf-Fitness der Geräteträger. Deshalb wird im Rahmen der G-26/3-Untersuchung ein fahrradergometrischer Test zur Überprüfung der Herz-Kreislauf-Belastbarkeit durchgeführt. Dabei muss bis zum 40. Lebensjahr eine Mindestleistung von 3,0 W/kg Körpergewicht bei einer Herzfrequenz von 170 Schlägen pro Minute erbracht werden. Ab dem 40. Lebensjahr stellen 2,1 W/kg bei einer Herzfrequenz von 150 Schlägen pro Minute die  Mindestanforderung dar. Um diese Kriterien ohne große Mühe zu erfüllen, ist neben dem Normalgewicht (BMI: 20 bis 25) eines gesunden Probanden ein ausreichender Trainingsumfang erforderlich. Dafür genügt in der Regel der international empfohlene Kalorienverbrauch von 2000 kcal pro Woche durch sportliche Betätigung zusätzlich zum alltäglichen Kalorienverbrauch bei leichter Arbeit. Mit viermal einer Stunde pro Woche schnellem Gehen oder intensivem Fahrradfahren wäre dieser Kalorienverbrauch zu erreichen. Nach arbeitsmedizinischer Erfahrung sieht die Realität aber anders aus. Viele Probanden sind, entsprechend dem Prozentsatz Übergewichtiger der Normalbevölkerung in Deutschland, übergewichtig bis adipös. Kritisch für das Tragen von schwerem Atemschutz ist ein BMI größer als 30 (Kilogramm Körpergewicht geteilt durch Körpergröße in Meter zum Quadrat). Die Betroffenen haben sehr häufig ein Problem der  Eigenwahrnehmung und suchen den Fehler bei mangelnder G-26-Eignung gerne beim  untersuchenden Arzt. Nach umfassender Gefährdungsbeurteilung haben wir für die Feuerwehr Hannover ein feuerwehrspezifisches und auf die Tätigkeit bezogenes Sportprogramm zusammen mit dem Institut für Sportwissenschaften der Leibniz Universität Hannover in Verbindung mit der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelt, das von erfahrenen Absolventinnen und Absolventen der Sportwissenschaften dieser Institutionen begleitet wird. Für die Freiwilligen Feuerwehren der Landeshauptstadt Hannover wird dieses Sportprogramm wöchentlich zweistündig und vor allem kostenlos angeboten. Wir legten folgende Inhalte und Maßnahmen für die Dienstsportstunden fest: Herz-Kreislauftraining, Rückenschule, Krafttraining mit Muskelaufbau und Kraftausdauertraining, aber auch Ausgleich muskulärer Dysbalancen, Koordinations- und Beweglichkeitsschulung, Dehnung, Entspannungsübungen und Ernährungsberatung. Aus ärztlicher Sicht zeichnen sich bei den regelmäßig teilnehmenden Kameraden teils beachtliche Erfolge hinsichtlich der Fitness im Sinne von Feuerwehreinsatzdiensttauglichkeit ab. Es gibt in der aktuellen Trainingslehre und Sportmedizin viele Hinweise darauf, dass ein ausgewogenes Sport- und  Bewegungsprogramm auch einen hervorragenden „anti-aging“ Effekt aufweist. Die Stabilisierung und Verbesserung der Herz- und Kreislauffunktion, der Koordinations-,Reaktions- und Merkfähigkeit und die Kräftigung des Muskel-Skelett-Systems sind nicht nur im Feuerwehrdienst essentielle Unfallprophylaxe und Gesundheitsvorsorge. Bei regelmäßigem Training kann sich der positive Effekt bis in das Pensionsalter hinein auswirken und bedeutet damit eine hervorragende individuelle Investition für ein gesundes, selbstbestimmtes Leben.

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Quelle: Fit für den Einsatz
URL:
[Stand: 17.05.2012, 12:58 Uhr]