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Text: Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen

Deine Haut. Die wichtigsten 2 m² deines Lebens.

 

Sie schützt, ist schön und empfindlich: „Deine Haut. Die wichtigsten 2m² deines Lebens.“ Der Verlust von ca. 30 % der Haut, z. B. durch Verbrennungen, Chemikalien oder Strahlungen, kann bereits tödlich sein. Hautschutz liegt somit im ureigensten Interesse eines jeden, insbesondere im gefahrgeneigten Feuerwehrdienst.

So vielseitig wie die Haut ist kein anderes Organ des menschlichen Körpers. Die Haut misst Temperatur, Druck, Dehnung und Haarstellung, reagiert empfindlich auf Schmerzen und liefert den Tastsinn. Sie sendet Signale wie „Gänsehaut“, „Erröten“ und spiegelt unbewusst das innere Befinden wider, was beispielhaft beim Lügendetektor genutzt wird. Sie ist einzigartig, wie man es von Fingerabdrücken bei der Kriminalitätsbekämpfung und neuerdings von Personalausweisen her kennt. Aber sie ist auch Schutzschild, Klimaanlage und Energiespeicher in Einem. Kurzum – die Haut ist ein Wunderwerk, welches nur eine begrenzte Fähigkeit zur Selbstheilung hat. Aus diesem Grund muss sie pfleglich behandelt und unterstützt werden. Ansonsten wird die Haut krank und mit ihr der Mensch!

Aufbau der Haut

Die Haut ist in drei Schichten aufgebaut. Die oberste Schicht, die Oberhaut (Epidermis), weist eine Dicke zwischen 0,03 mm und 0,05 mm und an den Fußsohlen und Handinnenflächen bis zu mehreren Millimetern auf. Die oberste Schicht der Oberhaut wird hauptsächlich durch abgestorbene Hornzellen gebildet, die miteinander verklebt sind (Hornschicht). Ihre überaus wichtige Schutzfunktion liegt in der Abwehr von Fremdstoff en jeder Art. Ein dünner Oberflächenfilm aus Fett, Schweiß und abgestorbenen Hautzellen wird Säureschutzmantel genannt. Er weist einen pH-Wert von ca. 5,4 auf und ist somit leicht sauer. Aufgrund dieses Säureschutzmantels werden Bakterien, Pilze und Viren daran gehindert, in die Haut einzudringen und Schäden zu verursachen.

Die zweite Schicht bildet die Lederhaut (Dermis). Die Lederhaut besteht vorwiegend aus Bindegewebsfasern zur mechanischen Festigkeit und dient der Ernährung und Verankerung der Oberhaut. Hier versorgt ein feines Blutgefäßsystem die Grenzzone zur Oberhaut. Die Lederhaut enthält die für die Temperaturregelung wichtige glatte Muskulatur und Blutgefäße. Der Ursprung der Talg- und Schweißdrüsen fi ndet sich in der unteren Lederhaut. Die Lederhaut ist robust und elastisch und unter anderem mit den meisten der oben benannten Messfühlern ausgestattet. Die Signale dieser Messfühler werden über Nervenbahnen im Gehirn zur bewussten Wahrnehmung verwendet. Die dritte Schicht, die Unterhaut (Subcutis), bildet die Unterlage für die darüber liegenden Hautschichten und enthält die größeren Blutgefäße und Nerven für die oberen Hautschichten sowie Fettpolster und lockeres Bindegewebe. Die Fettpolster schützen die inneren Organe vor mechanischen Gefährdungen. In der Unterhaut liegen die Sinneszellen für starke Druckreize.

Schutzschild, Klimaanlage, Speicher und Spiegel der Seele in einem

Mit einer Fläche von fast zwei Quadratmetern bildet die Haut eine Barriere vor äußeren Einwirkungen wie Feuchtigkeit, Hitze und Kälte, vor Austrocknung, Schadstoffen und UV-Strahlung. 24 Stunden am Tag dient die Haut beispielsweise als Klimaanlage. Sie reguliert den Wärme- und Wasserhaushalt sowie den Gasaustausch. Einer Überhitzung wirkt die Haut mit den Schweißdrüsen entgegen. Durch die Schweißproduktion und die dadurch mögliche Verdunstung wird Wärme von den dicht unter der Haut verlaufenden Kapillargefäßen, die dazu weit geöffnet sind, abgeführt.

Ist die Soll-Temperatur im Körper dagegen zu niedrig, sorgen Kälterezeptoren für Muskelzittern, Gänsehaut oder auch für Zähneklappern. Die Wärmeproduktion wird gesteigert und der menschliche Körper heizt sich im Idealfall wieder auf. Darüber hinaus wird mit Hilfe des Unterhautfettgewebes und im geringeren Maße durch die Behaarung Wärme zurückgehalten. Bei Kälte werden die Haut und das Unterhautfettgewebe nur noch gering durchblutet und wirken dadurch als Dämmschicht. Die Haare können aufgrund des geringen Haarkleides des Menschen nur noch geringe Dämmfunktion übernehmen. Dennoch kann man das Wirkprinzip eines Fellkleides noch gut beobachten. Bei der bei Kälte auftretenden Gänsehaut werden die Haare der Haut aufgerichtet, da eine geschlossene Behaarung einen wesentlich besseren Schutz vor Unterkühlung ermöglicht.

Die Haut ist darüber hinaus auch ein Speicher für Fett, Wasser, Blut und wichtige Vitamine. Unter Einfluss von Sonnenlicht wird in der Haut das Vitamin D gebildet, welches der Körper für den Knochenaufbau, für kräftige Zähne und zur Stärkung des Immunsystems benötigt. Als Spiegel des Inneren zeigt die Haut an, wie alt ein Mensch ist, ob er sich wohl fühlt, gesund oder krank ist. Bei Scham errötet die Haut, bei Schrecken wird sie blass, bei Angst entsteht eine Gänsehaut. Dass psychische Belastungen ihren Stempel der Haut aufdrücken können, müssen gerade Menschen mit trockener oder erkrankter Haut feststellen. So machen Hautärzte zum Beispiel bei Ekzemen oder Schuppenflechte neben genetischen Anlagen auch Stress für Krankheitsschübe verantwortlich.

Die natürliche Selbstheilung der Haut

Wenn es um ihren Schutz geht, greift die Haut zunächst auf ihre eigenen Fähigkeiten zurück. Dazu zählt an erster Stelle ein ausgeklügeltes System zur regelmäßigen Regeneration. Durch die ständige Neubildung der Basalzellen in der Oberhaut werden die darüber liegenden Zellen kontinuierlich nach oben geschoben. Dort trocknen sie langsam aus und schilfern ab. Auf diese Weise häutet sich der Mensch alle 27 Tage – schneller als eine Schlange. Der einzige Nachteil ist, dass sich der Erneuerungsprozess der Zellen mit zunehmendem Alter verlangsamt. So entstehen Falten.

Bei kleineren Verletzungen wie Schürf- oder Schnittwunden ziehen sich die Blutgefäße zusammen und sorgen dafür, dass das ausgetretene Blut gerinnen kann. Durch die Gerinnung wird dauerhaft der Blut Blutfluss gestoppt und die Wunde wie mit einem Pfropf geschlossen. Gleichzeitig werden Immunzellen aktiviert und es kommt zu einer heilsamen Entzündung. Am Ende dieses Prozesses steht die Bildung von neuem Gewebe.

Selbst gegen UV-Strahlen kann sich die Haut, bei einer nicht zu hohen Dosis, zur Wehr setzen. Zunächst nimmt die Dicke der Hornschicht der Oberhaut zu. Mit Hilfe dieser so genannten Lichtschwiele aus abgestorbenen Hornzellen wird ein Teil der UV-Strahlen reflektiert und absorbiert. Dadurch wird der Schaden in den tiefer liegenden, sensibleren Hautschichten geringer. Zusätzlich wird die Bildung von Melanin angekurbelt. Diese Farbpigmente in der Haut filtern UV-Licht.

Doch die Haut vergisst und verzeiht nichts. Überbeanspruchung und Überforderung, sei es im Privaten oder im Beruf, hinterlassen Spuren. Die Folgen reichen vom harmlosen Pickel bis zum tödlichen Hautkrebs. Gegen viele schädliche Einflüsse kann man aber etwas unternehmen und sie im günstigsten Fall sogar vermeiden.

Um einen möglichst objektiven Überblick über die möglichen Gefährdungen im Feuerwehrdienst für die Haut zu erlangen, wurde die Übersicht über die  Gefährdungsgruppen aus den GUV-Informationen „Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz“ (GUV-I 8700) herangezogen.

Maßnahmen zum Hautschutz im Feuerwehrdienst

Eine Vielzahl von Maßnahmen zum Hautschutz wurde bereits in den einschlägigen Feuerwehr-Dienstvorschriften für die jeweiligen Einsatzsituationen eingearbeitet. Dort sind konkrete Angaben zu finden, welche Schutzausrüstungen zu verwenden und welche Verhaltensmaßnahmen zu beachten sind. Daraus folgt: Werden die Feuerwehr-Dienstvorschriften richtig angewendet, ist eine Hautgefährdung auf ein tolerierbares Maß reduziert. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, die nicht in die Feuerwehr-Dienstvorschriften aufgenommen sind. Beispielhaft hierfür wird nachfolgend ein Zeltlager einer Jugendfeuerwehr betrachtet.

Berechtigter Wunsch einer Jugendfeuerwehr im Zeltlager ist: Schönes Wetter – Sonnenschein. Und das ist bereits ein „Haut-Problem“. Die Sonne strahlt nicht nur Wärmestrahlung und sichtbares Licht ab, sondern auch unsichtbare UV-Strahlung. Die Stärke der einfallenden UV-Strahlung auf der Erdoberfläche hängt von der Tageszeit, der geographischen Lage, der Jahreszeit, der Seehöhe, der jeweiligen Dicke der Ozonschicht und im geringen Maße von der Bewölkung sowie sonstigen örtlichen Parametern ab. So entfallen 50 % der Tagesdosis im Zeitraum zwischen 11 Uhr bis 13 Uhr. Am Äquator ist mit einer höheren Dosis zu rechnen als in Deutschland. Pro 100 Meter Höhenzunahme steigt die UV-Strahlung um 15 %. Nur 10 % wird durch Wolkenschichten absorbiert. Bis zu 50 % der UV-Strahlen wirken auch im Schatten und ca. 60 % noch in einer Wassertiefe von 0,5 m. Auch ist es ein Irrglaube, dass solariumgebräunte Menschen einen höheren Schutz vor natürlicher UV-Strahlung haben als ungebräunte. Des Weiteren führen bestimmte Stoffe zur Erhöhung der Lichtempfindlichkeit, wie bestimmte Parfums, Cremes und Medikamente. Dazu zählen zum Beispiel einige Beruhigungs- und Entwässerungsmittel, Antibiotika und Duftstoffe wie Moschus. Wer also entsprechende Stoffe verwendet, sollte sich vom Arzt oder Apotheker beraten lassen.  

So ist aus Sicht der Prävention für den Aufenthalt im Sommer im Freien folgendes zu beachten  

  • In der Mittagszeit (11󈝹 Uhr) generell die Sonne meiden.
  •  Sonnenschutzgerechte Kleidung ragen.
  • Für unbedeckte Körperstellen Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden und diese eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt in der Sonne auftragen.
  • Sonnenschutzcreme mehrmals täglich erneuern. Dieses Nachcremen verlängert jedoch nicht die Schutzwirkung.
  • Beim Baden/Schwimmen wasserfeste Sonnenschutzcreme verwenden und nach dem Abtrocknen erneuern.
  • Der Haut Zeit geben, sich an die Sonne zu gewöhnen.

Das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz (BGIA) hat untersucht, wie gut Sonnenschutzcremes vor Hautkrebs schützen. Weniger gefährliche gefährliche Formen von Hautkrebs lassen sich durch Sonnenschutzmittel zum Teil verhindern. Es gibt jedoch Hinweise, dass sie nicht vor dem bösartigen malignen Melanom schützen. Packungsbeilagen von Hautschutzmitteln sind in jedem Fall aufmerksam zu lesen. Viele Hersteller von Sonnenschutzmitteln geben nur den Schutz vor UV-B-Strahlen an und verraten nichts über den UV-A-Schutz. Auch UV-A-Strahlen können analog zu UV-B-Strahlen Hautkrebs auslösen. Hautgefährlich sind demzufolge beide Strahlungsarten.

Hautarztverfahren

Berufsbedingte bzw. feuerwehrdienstbedingte Hauterkrankungen frühzeitig zu erkennen, ist das Ziel des von Berufsdermatologen in Zusammenarbeit mit den Unfallversicherungsträgern initiierten, so genannten „Hautarztverfahrens“. Dieses Verfahren ist dem eigentlichen Berufskrankheitenverfahren vorgeschaltet und verpflichtet jeden Arzt, Patienten mit einer möglicherweise beruflich oder feuerwehrdienstlich verursachten krankhaften Hautveränderung an einen Hautarzt zu verweisen. Dieser informiert seinerseits mit dem Hautarztbericht den zuständigen Unfallversicherungsträger über das Untersuchungsergebnis. Auf diese Weise können individuelle Präventionsmaßnahmen eingeleitet werden.

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Quelle: Deine Haut. Die wichtigsten 2 m² deines Lebens.
URL:
[Stand: 17.05.2012, 12:54 Uhr]