Die Antwort auf die "Stolperfalle Schlauch"
Auch in der modernen Brandbekämpfung kann auf Schläuche nicht verzichtet werden. Leider werden Schläuche oftmals in Unfallanzeigen als Ursache für Unfälle benannt. Aus diesem Grund hat die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen in Zusammenarbeit mit den Niedersächsischen Landesfeuerwehrschulen Versuche zur Minderung von Stolpergefahren durchgeführt.
Eine typische Unfallursache
In den uns eingereichten Unfallanzeigen kann man häufig lesen:
- Als AGT beim Übungsdienst eine Treppe heruntergestiegen und über einen Schlauch gestürzt
- Während der Wettkampfübung auf prall gefüllten B-Schlauch getreten und mit dem Fuß umgeknickt.
- Bei einer Übung beim Laufen über einen Schlauch gestolpert und gefallen.
- Während der Brandbekämpfung des Hauses ist der Verletzte hinter dem Gebäude über eine Schlauchleitung gestolpert und auf das linke Knie gefallen.
- Beim schnellen Gehen im Dunklen auf einen Feuerwehrschlauch getreten und umgeknickt.
Die Unfallstatistik der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen und die typischen Unfallbeschreibungen belegen, dass Stolpern, Rutschen und Stürzen, insbesondere wenn Schläuche genutzt werden, eine häufige Unfallursache im Bereich der Feuerwehren ist. Teilweise sind die daraus resultierenden Folgen Bagatellen, aber leider nicht immer. Platzwunden, herausgeschlagene Zähne, Knochenbrüche bis hin zu erheblichen Schädelverletzungen sind auf Stolpern, Rutschen und Stürzen zurückzuführen.
Dieser Trend ist in Deutschland auch in der gewerblichen Wirtschaft festzustellen. Nahezu jeder fünfte Arbeitsunfall in der Wirtschaft wird durch Stolpern, Rutschen und Stürzen verursacht. Das sind über 1.000 Arbeitsunfälle am Tag. Mehr als 6.000 dieser Unfälle führen jährlich zu derart schweren Verletzungen der Betroffenen, dass diese eine Unfallrente erhalten (Quelle: Berufsgenossenschaft der Feinmechanik und Elek-
trotechnik).
Die hohe Zahl der Arbeitsunfälle durch Stolpern, Rutschen und Stürzen veranlassten den Bundesverband der Unfallkassen (BUK) und den Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG) im Jahr 2003 eine auf zwei Jahre angelegte Kampagne zu starten mit dem Ziel, die Zahl der Unfälle in diesem Bereich deutlich zu senken.
Präventive Maßnahmen gegen Stolpern, Rutschen und Stürzen im Bereich der Feuerwehr
Die Maßnahme mit der größten Reichweite zur Vermeidung von Stolperunfällen durch Schläuche ist die Beseitigung der "Gefahrenquelle Schlauch". Nun weiß jeder Feuerwehrangehörige, dass dieses nicht möglich ist. Schläuche werden zum Transport des Löschmittels Wasser zwingend benötigt. Auch die konsequente Trennung von Feuerwehrangehörigen und Schläuchen ist nicht umsetzbar. Selbst organisatorische Maßnahmen oder eine erweiterte persönliche Schutzausrüstung kann das Problem des Stolperns nicht entschärfen.
Deshalb bleibt nur eine Möglichkeit:
Die Gefahrenquelle muss möglichst gut zu sehen sein. Denn nur auf das, was wahrgenommen wird, kann reagiert werden.Die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen hat in Zusammenarbeit mit allen Feuerwehr-Unfallkassen in Deutschland auf der Messe "Interschutz" im Jahr 2005 den Prototyp eines "auffälligen" Schlauches vorgestellt. Ziel ist es, die Auffälligkeit der Schläuche in der Praxis zu steigern, so dass Stolperstellen besser erkannt und gemieden werden. Für die Praxiserprobung der auffälligen Schläuche konnten in Niedersachsen die beiden niedersächsischen Landesfeuerwehrschulen Celle und Loy gewonnen werden.
Praxistest "signalgelbe Schläuche"
Für eine erste Versuchsreihe zum Thema "auffällige Schläuche" wurden den Landesfeuerwehrschulen Celle und Loy Anfang 2006 signalgelbe B- und C Schläuche zur Verfügung gestellt. Diese Schläuche wurden jeweils auf einem Löschgruppenfahrzeug der Landesfeuerwehrschulen verladen.
Um möglichst kurzfristig Erfahrungen im Alltag zu sammeln, insbesondere auch über die "Nachdunklung" während des rauen Einsatzes im Brandhaus, wurden handelsübliche signalgelbe Schläuche verwendet. Diese signalgelben Schläuche standen hierbei in Konkurrenz zu den rohweißen Schläuchen. Die Lehrgangsteilnehmer an den Landesfeuerwehrschulen wurden gebeten, eine Bewertung der signalgelben Schläuche durchzuführen. Ein kurz gefasster Fragebogen mit fünf Ja-Nein-Fragen stand hierzu zur Verfügung. Die Fragestellungen erlaubten ein schnelles Ausfüllen und eine einfache Auswertung.
Praxistest "schwarz/gelb-gestreifte Schläuche"
Auf der Interschutz 2005 wurde auf dem Messestand bereits ein Prototyp eines schwarz/gelb-gestreiften Schlauches vorgestellt. Die Messeausführungen hatten jedoch einen gravierenden Nachteil: fehlende "Farbechtheit". Jeder, der die Schläuche getragen hatte, stellte fest, dass die Finger anschließend schwarz waren. Mit diesem Prototyp war somit kein Praxistest möglich.
Es dauerte eine gewisse Zeit, bis zumindest ein Hersteller einen farbechten schwarz/gelb-gestreiften Schlauch entwickelt hatte. Mit diesen Schläuchen konnten ergänzend zu den ersten Testreihen mit signalgelben Schläuchen an der Landesfeuerwehrschule Celle weitere Versuche mit nun schwarz/gelb-gestreiften Schläuchen durchgeführt werden.
Neben der besonderen Farbgebung wurden die Schläuche zusätzlich mit konischen Aufsätzen an den Kupplungen ausgestattet und die Fragebögen entsprechend erweitert. Die Ergebnisse waren überraschend.
Auswertung der Testreihen
Etwa 88% aller Teilnehmer an den Testreihen war die Stolperstelle "Schlauch" im Vorfeld bewusst.
91% der Teilnehmer (signalgelbe Schläuche) und 94% der Teilnehmer (schwarz/ gelbe Schläuche) gaben an, dass bei Tageslicht die Schläuche deutlich besser wahrgenommen werden als rohweiße Schläuche.
74% der Teilnehmer (signalgelbe Schläuche) aber nur 35% der Teilnehmer (schwarz/gelbe Schläuche) bewerteten, dass bei Sichtbehinderungen (Brandhaus) die Schläuche deutlich besser wahrgenommen werden als rohweiße Schläuche.
86% der Teilnehmer (signalgelbe Schläuche) und 76% der Teilnehmer (schwarz/ gelbe Schläuche) hielten die Idee der auffälligen Schläuche für sinnvoll.
63% der Teilnehmer (signalgelbe Schläuche) und 65% der Teilnehmer (schwarz/ gelbe Schläuche) hielten die Idee der auffälligen Schläuche für so überzeugend, dass sie deren Beschaffung der Gemeinde vorschlagen würden.
53% der Teilnehmer (schwarz/gelbe Schläuche) bewerteten die konischen Aufsätze an den Kupplungen als eine wesentliche Verbesserung für die Handhabung der Schläuche.
Folgende Bermerkungen wurden zusätzlich abgegeben:
- "Farbunterschiede bei den Schlauchgrößen (C, B) vorhanden"
- "Schwarz-gelb gestreifte Schläuche sind nicht sinnvoll"
- "Besser signalgelb als schwarz-gelb-gestreift"
- "Gute Sichtbarkeit im Brandübungshaus (signalgelb)"
- "Prima Idee, selbst bei Nullsicht im Gebäude (signalgelb)"
- "Schlechte Rollbarkeit bei nagelneuen Schläuchen"
- "Der Sicherheitsgewinn wird sehr begrüßt"
- "Schlechtes Material, großes Gewicht, schlechte Handhabung"
Fazit
Bei ausreichend Tageslicht sind signalgelbe und schwarz/gelb-gestreifte Schläuche gleichwertig zu erkennen. Bei Sichtbehinderungen, z.B. durch Rauch oder Dunkelheit, weisen die signalgelben Schläuche eine bessere Wahrnehmbarkeit auf als die schwarz/gelb-gestreiften. Dieser Effekt ist einfach erklärbar. Die signalgelben Schläuche haben eine doppelt so große Fläche mit Signalfarbe.
Die von den Teilnehmern benannte schlechte Handhabung ist ursächlich auf das nachträgliche Färben zurückzuführen. Industrielle gefertigte Serienschläuche weisen diesen Nachteil nicht auf. Sie lassen sich genauso gut aus- und einrollen wie die rohweißen Schläuche.




